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Prof. Dr. Emil Kautzsch

Textbibel

Das Alte Testament

Das zweite Buch der Könige.

Kapitel 19.

Sanheribs Kriegszug und Jerusalems Errettung. (Fortsetzung)

1 Als das der König Hiskia vernahm, zerriß er seine Kleider, hüllte sich in ein härenes Gewand und ging in den Tempel Jahwes.   2 Eljakim aber, der dem Palaste vorstand, und Sebna, den Staatsschreiber, samt den vornehmsten Priestern sandte er mit härenen Gewändern umhüllt zum Propheten Jesaja, dem Sohne des Amoz.   3 Und sie sprachen zu ihm: So spricht Hiskia: Ein Tag der Not und der Züchtigung und Verwerfung ist der heutige Tag; denn das Kind ist an den Muttermund gekommen, aber es ist keine Kraft da, zu gebären.   4 Vielleicht hört Jahwe, dein Gott, alle die Reden des Rabsake, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt hat, den lebendigen Gott zu lästern. So möge er denn die Rede ahnden, die Jahwe, dein Gott, gehört hat. Du aber lege Fürbitte ein für den Überrest, der noch vorhanden ist!
5 Als nun die Diener des Königs Hiskia zu Jesaja kamen,   6 gab ihnen Jesaja den Bescheid: Sprecht also zu eurem Herrn: So spricht Jahwe: Fürchte dich nicht wegen der Reden, die du gehört hast, mit denen mich die Knechte des Königs von Assyrien gelästert haben.   7 Fürwahr, ich will ihnen einen Geist eingeben, daß er eine Kunde vernehmen und nach seinem Lande zurückkehren soll, und will ihn dann in seinem eigenen Lande durchs Schwert fällen!
8 Darauf kehrte der Rabsake zurück und fand den König von Assyrien mit der Belagerung von Libna beschäftigt; er hatte nämlich erfahren, daß er von Lachis aufgebrochen war.   9 Als aber Sanherib in betreff Thirhakas, des Königs von Kusch, die Kunde vernahm: Er ist ausgerückt um mit dir zu kämpfen, da sandte er abermals Boten an Hiskia mit den Worten:   10 Sprecht also zu Hiskia, dem Könige von Juda: Laß dich von deinem Gott, auf den du dich verlässest, nicht betören, indem du denkst: Jerusalem wird nicht in die Gewalt des Königs von Assyrien überliefert werden!   11 Du hast ja selbst gehört, wie die Könige von Assyrien mit allen Ländern verfahren sind, indem sie den Bann an ihnen vollstreckten, und da wolltest du entrinnen?   12 Haben etwa die Götter der Völker, die von meinen Vätern vernichtet wurden, diese gerettet - Gosan und Haran und Rezeph und die Leute von Eden zu Thelassar?   13 Wo ist der König von Hamath und der König von Arpad und ein König über die Stadt Sepharwaim, Hana und Awwa?
14 Als nun Hiskia den Brief aus der Hand der Boten empfangen und ihn gelesen hatte, ging er hinauf in den Tempel Jahwes, und Hiskia breitete ihn vor Jahwe aus.   15 Und Hiskia betete vor Jahwe und sprach: Jahwe, du Gott Israels, der du über den Keruben thronst, du allein bist der wahre Gott über alle Reiche der Erde; du hast den Himmel und die Erde gemacht.   16 Neige, Jahwe, dein Ohr und höre; öffne, Jahwe, deine Augen und siehe! Ja, höre die Worte Sanheribs, der hergesandt hat, um den lebendigen Gott zu lästern.   17 In der That, Jahwe, haben die Könige von Assyrien die Völker und ihre Länder verheert   18 und haben ihre Götter ins Feuer geworfen. Denn das waren nicht wirkliche Götter, sondern nur Werk aus Menschenhänden, Holz und Stein, und so konnte man sie vernichten.   19 Nun aber, Jahwe, unser Gott, errette uns doch aus seiner Gewalt, damit alle Reiche der Erde erkennen, daß du, Jahwe, allein Gott bist!
20 Da sandte Jesaja, der Sohn des Amoz, zu Hiskia, und ließ ihm sagen: So spricht Jahwe, der Gott Israels: Was du um Sanheribs, des Königs von Assyrien, willen zu mir gebetet hast, habe ich gehört.
21 Dies ist das Wort, das Jahwe über ihn geredet hat:
Es verachtet dich, es spottet deiner die Jungfrau, die Tochter Zion.
Hinter dir her schüttelt das Haupt die Tochter Jerusalem.
22 Wen hast du gehöhnt und gelästert,
und gegen wen hast du deine Stimme erhoben
und hoch emporgehoben deine Augen? Wider den Heiligen Israels!
23 Durch deine Boten hast du den Herrn gelästert und gesagt:
Mit meiner Wagen Menge erstieg ich die Berge, den äußersten Libanon;
ich hieb den Hochwuchs deiner Cedern um, seine auserlesensten Cypressen,
und drang vor bis zu deiner äußersten Herberge, in seinen dichtesten Baumgarten.d
24 Ich grub auf und trank fremde Wasser und
trocknete mit der Sohle meiner Füße alle Kanäle Ägyptens!
25 Hörst du wohl? Von längst her habe ich es bereitet,
von uralten Zeiten her habe ich es geordnet. Jetzt aber habe ich es herbeigeführt,
daß du feste Städte verheeren sollst zu wüsten Steinhaufen!
26 Ihre Bewohner aber in ihrer Ohnmacht schraken zusammen und wurden zuschanden,
wurden wie Kraut auf dem Feld und sprossendes Grün,
Gras auf den Dächern und verdorrendes Korn.
27 Dein Aufstehen und dein Sitzen ist mit offenbar,
dein Gehen und Kommen kenne ich wohl, sowie dein Toben wider mich!
28 Weil du denn wider mich tobst,
und dein Übermut aufgestiegen ist zu meinen Ohren,
so will ich dir einen Ring in die Nase legen und meinen Zaum in deine Lippen
und will dich desselben Wegs zurückführen, auf dem du gekommen bist!
29 Folgendes aber diene dir zum Wahrzeichen: Heuer wird man essen, was von selbst wächst, und im zweiten Jahre, was noch aus den Wurzeln wächst; im dritten Jahre aber sollt ihr säen und ernten und Weinberge pflanzen und ihre Frucht genießen.   30 Und was vom Hause Juda entronnen und übrig geblieben ist, soll aufs Neue unten Wurzel schlagen und oben Frucht bringen.   31 Denn von Jerusalem wird ein Überrest ausgehen und Entronnene vom Berge Zion; der Eifer Jahwes der Heerscharen wird solches thun!
32 Darum spricht Jahwe also über den König von Assyrien:
Er soll nicht in diese Stadt eindringen
und keinen Pfeil dareinschießen,
und soll mit keinem Schilde gegen sie anrücken,
noch einen Wall gegen sie aufschütten.
33 Desselben Wegs, auf dem er gekommen ist, soll er zurückkehren:
aber in diese Stadt soll er nicht eindringen, ist der Spruch Jahwes.
34 Und ich will diese Stadt beschirmen, daß ich sie errette,
um meinetwillen und um meines Knechts David willen!
35 In derselben Nacht aber ging der Engel Jahwes aus und schlug im Lager der Assyrer 185000 Mann; und als man sich des Morgens früh aufmachte, fand man sie alle als leblose Leichen.   36 Da brach Sanherib, der König von Assyrien, auf und zog ab, kehrte um und blieb zu Nineve.   37 Und während er einst im Tempel seines Gottes Nisroch anbetete, ermordeten ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer. Sie flüchteten sich aber darnach ins Land Ararat, und sein Sohn Asarhaddon ward König an seiner Statt.